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Presse: Open Air der Altstadt-Armenküche

NRZ vom 06.08.2007

"Die Straße gehört allen"

ARMENKÜCHE. Hilfsaktion in der Altstadt seit 15 Jahren. Zahl der Bedürftigen ist sprunghaft gestiegen

DOMINIK MAEDER

ALTSTADT. Mit viel Witz und deftiger Erbsensuppe feierte die Altstadt-Armenküche am Samstag ihr 15-jähriges Bestehen auf dem Burgplatz. Beim Open Air-Fest "Essen für Arme und Reiche" schwangen Polizeipräsident Herbert Schenkelberg sowie die Schauspielerinnen Tanja Schumann und April Hailer die Suppenkelle. Auf der Bühne sorgten unter anderem der Pantomime "Nemo" und das "Jolly Jazz Orchestra" für gute Stimmung bei den zahlreichen Besuchern.

Ehrenamtliche verteilen Essen
Die Seele der Armenspeisung ist seit Beginn Dominikanerpater Wolfgang Sieffert. Der fidele Glatzkopf springt in seinem weißen Gewand zwischen Bühne, Plausch und Interview hin und her und schenkt seinem Gesprächspartner noch bei Worten wie "Diskriminierung", "Ausgrenzung" und "Keile zwischen Arm und Reich" ein süffisantes Lächeln.
Nicht nur als Wohlfahrtsverein, in dem 60 Ehrenamtliche bei der Essensausgabe helfen und Sozialarbeiter sich um die existentiellen Nöte kümmern, versteht der 49-Jährige die Armenküche. Sondern auch als Lobby, die ihre Stimme den Wohnungslosen gibt: "Die Straße gehört allen", ist das Credo des Paters, der in Kauf nimmt, nicht - wie in den vergangenen zehn Jahren - direkt unter den Fenstern des Rathauses am Marktplatz feiern zu dürfen, sondern ein paar Meter weiter am Burgplatz.
Gegründet wurde die Armenküche 1992, zwanzig Essen gaben die Helfer anfangs pro Tag an der Ritterstraße aus. Schon ein Jahr später zogen sie an den Burgplatz um, wo sie nun bis zu 160 Portionen pro Tag verteilen - finanziert ausschließlich über Spenden.
Bereits seit zwölf Jahren greift Helga Hugo einmal pro Woche ehrenamtlich zur Suppenkelle. Kontakt mit Wohnungslosen hatte die 72-jährige vorher nicht. "Am Anfang gab es schon Berührungsängste", gesteht die Rentnerin. Rasch habe sich ihr Bild aber geändert: "Eigentlich sehr nette Menschen", befindet die ehemalige Personalleiterin eines Krankenhauses nun. Zeit für das Ehrenamt hat sie - wie viele andere - erst nach dem Berufsleben gefunden - Berufstätige helfen nur am Wochenende aus. Besonders berührt die 72-Jährige, dass immer mehr Rentner in den letzten Jahren auf die Armenspeisung angewiesen seien. "Als Mädchen für alles bleibt aber nur wenig Zeit, um mit den Menschen ins Gespräch zu kommen."


Kaffee und Kuchen für den guten Zweck servierten die "Feinen Möhnen" am Samstag den Besuchern des elften Open-Air-Fests der Altstadt-Armenküche - Pantomime Nemo machte mit. (Foto: Kai Kitschenberg)

WZ vom 06.08.2007

Polizeipräsident griff selbst zur Schöpfkelle

1500 Portionen Erbsensuppe und 800 Würstchen wurden am Samstag beim 11. Open Air der Altstadt-Armenküche auf dem Burgplatz verspeist. Pater Wolfgang strahlte: "So viele Besucher hatten wir noch nie. Es ist doch genial, dass Wohnungslose gemeinsam hier mit den Besuchern sitzen und essen." Zum Startschuss um 12 Uhr war Polizeipräsident Herbert Schenkelberg gekommen, hatte selbst zur Schöpfkelle gegriffen und noch einmal daran erinnert, dass die Gesellschaft dazu neige, Armut an den Rand zu drängen, obwohl die Gesellschaft selbst die Armut erzeuge. Unterstützung erfuhr die Altstadt-Armenküche an diesem Tag auch von den Schauspielerinnen Tanja Schumann und April Hailer, dem Pantomimen Nemo (Foto) oder den Feinen Möhnen, die fleißig Würstchen, Kaffee und Kuchen verkauften.
msl

Rheinische Post vom 06.08.2007

Die Armenküche lud ein

((nack) "Die feinen Möhnen" waren ein Verein von vielen Freiwilligen, die beim 15. Geburtstag der Armenküche mit angepackt haben. Gefeiert wurde am Samstag zum ersten Mal auf dem Burgplatz. Um 12 Uhr griff Polizeipräsident Herbert Schenkelberg zur Suppenkelle und teilte Erbsensuppe aus. Auch die Schauspielerinnen April Hailer und Tanja Schumann, die zurzeit in der Komödie an der Steinstraße auftreten, blieben so lange es ihr Spielplan zuließ, um Suppe auszuteilen. "Dass die beiden so lange geblieben sind, hat mich sehr gefreut", sagt Marion Gather, Sozialarbeiterin der Armen küche. Sie und Vereinsvorsitzender Pater Wolfgang hatten für das elfte Open Air Essen einiges zu organisieren, denn bis zum Abend gab es mit Bands wie The Jolly Jazz Orchestra, Soul Food Company und Steamy Nights volles Programm. Rund 400 Tassen Kaffee und eine Menge Kuchen haben die Damen und Herren vom Karnevalsverein "Die feinen Möhnen" verkauft. "Wir sind sozial eingestellt", sagt Ehrenmitglied Dieter Kriegeskorte. Deshalb seien die feinen Möhnen zum zweiten Mal mit dabei. Rund 500 Euro haben sie eingenommen und spenden sie an die Armenküche. "Wir haben uns schon fürs nächste Jahr angekündigt", verspricht erste Vorsitzende Sabine Lenk.

Pater Wolfgang im Kreise der "Feinen Möhnen": Sie gestalteten das Fest zum 15-jährigen Bestehen der Armenküche am Samstag auf dem Burgplatz mit.
RP-FOTO: GABRIEL