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HARTZ IV
Arbeitslose demonstrieren für mehr Rechte.

 

Von Anne Wolf


Bianca Engelke ist schwanger. Sie bricht die Realschule ab. Geld zum Leben erhofft sie sich von Arge und Kindergeldkasse. Doch keiner fühlt sich zuständig. Drei Monate muss die 23-Jährige mit 100 Euro im Monat auskommen. Solange bis sie einen Anwalt einschaltet: „Da kam das Geld dann plötzlich“, erzählt sie. Auch Peter Starke (Name geändert) hat schlechte Erfahrungen mit der Arge gemacht. Immer wieder sei zum Monatsbeginn kein Geld auf dem Konto. Dass er noch keinen Krach mit dem Hauseigentümer hat, habe er der Kulanz des Vermieters zu verdanken. Engelke und Starke sind sauer auf die Arge, gestern demonstrierten sie vor der Agentur an der Luisenstraße.
Aufgerufen hatten dazu unter anderem die Arbeitsloseninitiative und die Altstadt Armenküche. „Täglich kommen etwa zehn Verzweifelte in die Beratung. Viele weil sie kein Geld bekommen haben“, erzählt Cornelia Schlemper von der Initiative. Und auch Holger Kirchhöfer (Armenküche) hat festgestellt: „Immer öfter geraten Menschen in Not, weil Zahlungen ausbleiben.“ Böswilligkeit will er den Mitarbeitern der Arge nicht unterstellen: „Das System funktioniert einfach nicht.“ Und Mit-Demonstrant Pater Wolfgang ergänzt: „Die kein Geld für einen Anwalt haben, werden ausgegrenzt.“ Arge-Sprecher Jürgen Hennigfeld dagegen sieht den Protest an die falsche Adresse gerichtet: „Zum Jahreswechsel gab es Probleme, ja“, sagt er. „Aber bei uns bleibt keiner mittellos.“ Die Rechtsmaterie sei komplex, „aber wir gucken, was wir optimieren können."

Zum Foto: „Die Schikanen müssen aufhören“, forderten gestern die Demonstranten vor der Arge an der Luisenstraße.
Foto: Bernd Schaller