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Presse: Burgplatz: Gleiche Regeln für alle

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Presse: Burgplatz: Gleiche Regeln für alle

Burgplatz: Gleiche Regeln für alle

RP vom 17.5.2008

 

VON CÖKCEN STENZEL


Die einen dürfen draußen trinken, sich treffen und amüsieren. Die anderen bekommen ein Bußgeld, wenn sie das selbe tun. Die einen sind die Besucher der Altstadt-Gastronomie, die anderen sind obdachlos und alkoholkrank: Ungleiche und damit rechtswidrige Behandlung der Personen in der Altstadt - so lautete der Vorwurf, den die Veranstalter des „Berber-Symposiums“ auf dem Burgplatz gestern erhoben. Altstadt-Armenküche, fifty-fifty und Fachhochschule (FH) hatten zur Diskussion über das Thema Alkoholverbot eingeladen, Altstadtwirte und die Ratsfraktionen waren gekommen. Die CDU hatte abgesagt. Dabei ist es die Union, die einem Sommer-Alkoholverbot auf dem Platz zustimmt.
Eine entsprechende Verordnung, die dem Stadtrat im Februar vorgelegt worden war, kam nur deswegen nicht, weil die anderen Fraktionen sie ablehnten - und weiter ablehnen, wie Marie-Agnes StrackZimmermann von der FDP betont: „Wir haben genug Verbote in der Stadt.“ Klaus Riekenbrauk, Professor an der FH, ist aber sicher, dass das Thema erneut auf den Tisch kommt. Das befürchten auch die Streetworker Oliver Ongaro und Thomas Wagner, die von massiver Ungleichbehandlung durch den Ordnungs- und Sicherheitsdienst sprechen: „In der Straßenordnung ist von Lagern und störendem Alkoholkonsum die Rede“, so Wagner. „Tatbestände, die nicht zu definieren sind.“ Obdachlose, die auf Bänken sitzen, bekämen Bußgelder wegen „Lagerns“, andere Besucher nicht. Womit das Problem umrissen war: Es geht weniger ums Sitzen und Trinken auf dem Burgplatz, „sondern um die Vertreibung unliebsamer Leute“, so Hubert Ostendorf von fifty-fifty. Es gebe aber keine Plätze oder Räume, in denen Obdachlose bleiben und Bier trinken können, in den Tagesstätten herrscht Alkoholverbot. Ostendorf: „Ein Cafe, in dem Obdachlose Bier trinken dürfen, würde helfen.“
Womöglich. Denn dass sich manche Bürger von grölenden Trinkern auf dem Platz vertrieben fühlen, erzählt ein Wirt aus einer Gaststätte am Schlossturm. „Aber“, sagt er, „der Platz ist doch für alle da.“ Das Symposium stand unter dem Titel „Burgplatz - ein Platz für alle“.
Hintergründe auf www.rp-online.de/duesseldorf

Zum Foto: Marie-Agnes Strack-Zimmermann(FDP) unterhält sich mit Nucknuck und Big Papa (links) über deren Erfahrungen mit dem Ordnungsdienst.
RP-FOTO: BUSSKAMP

 


 

 

Gespräche statt Alkoholverbot am Burgplatz

WZ vom 17.5.2008

Das zweite Düsseldorfer Berbersymposium, veranstaltet von der Altstadt-Armenküche und der Fachhochschule, kümmerte sich gestern um das Thema „Öffentlicher Raum“. Anlass war das vor einiger Zeit diskutierte Alkoholverbot für den Burgplatz und den Versuch der Stadt, die sich dort treffenden Punks und Obdachlosen zu vertreiben. Am Ende waren sich die anwesenden Geschäftsleute, Anwohner und Politiker einig, dass ein Verbot kontraproduktiv ist, man stattdessen lieber das Gespräch mit den als „Störern“ empfundenen Gruppen suchen solle. Interessant: Die CDU-Fraktion und Ordnungsdezernent Werner Leonhardt - die Befürworter des Verbots - waren der Einladung nicht gefolgt.    mah

Zum Foto: Punks und Obdachlose gestern mit ihren Hunden am Burgplatz - das stört die Stadtspitze.
Foto: Bernd Schaller

 


 

 

Wer stört hier wen?

NRZ vom 17.5.2008

SOZIALES. Die Lobby der Obdachlosen lud auf den Burgplatz ein. Geschäftsmann plädiert für Weltoffenheit im Herzen der Altstadt.

 

VON DOMINIK MAEDER


Es wäre kein weiter Weg gewesen. Ein ziemlich kurzer sogar, um genau zu sein. Doch beim zweiten Berbersymposium, das gestern in Sichtweite des Rathauses am Burgplatz über die Bühne ging, war der einzige Vertreter des Ordnungsamts ein Mitarbeiter des Ordnungs- und Servicedienstes (OSD), der dort in respektvollem Abstand auf Streife ging. So diskutierten die Gegner der Straßenordnung und des möglichen Alkoholverbots an den Rheintreppen weitgehend unter sich über die Folgen für Wohnungslose.
Auch Geschäftsleute gesellten sich wie Vertreter der Ratsfraktionen mit Ausnahme der CDU zu den Teilnehmern: „Am Burgplatz muss Weltoffenheit demonstriert werden“, forderte Dirk Schaper, Vorsitzender der Altstadtgemeinschaft. Bäcker Josef Hinkel zeigt, wie's geht: „Wenn Obdachlose vor meiner Filiale Kunden anschnorren oder die Bank belegen, dann kann ich das nicht verbieten, aber erklären, dass ältere Kunden sich auch gerne setzen möchten“, schildert Hinkel seinen Alltag. „Hinter Regeln sollte man sich dabei nicht verstecken.“

Kartenspiel mit Bußgeld bestraft
Insgesamt waren dem Aufruf der Altstadtarmenküche, des Straßenmagazins „fiftyfifty“ und dem Fachbereich Sozial- und Kulturwissenschaften der Fachhochschule etwa 150 Studenten, Wohnungslose und Anlieger gefolgt. Ihre Kritik richtet sich vor allem gegen den OSD: „Die Mitarbeiter sind rigider geworden“, berichtet fiftyfifty-Gründer Hubert Ostendorf. In der Hand hält er eine „schriftliche Verwarnung“, die der OSD vor etwa einem Jahr an einen Wohnungslosen am Hauptbahnhof verteilte. Begründung für das Bußgeld von 35 Euro: „Sie saßen in einer Personengruppe auf dem Gehweg und spielten Karten.“
Das Spiel kann teuer werden: Wer innerhalb einer Woche nicht zahlt, muss 60 Euro berappen, danach kann es sogar ins Gefängnis gehen. „Und das“, so Ostendorf, „kostet den Steuerzahler etwa 100 Euro pro Tag, ist also volkswirtschaftlicher Unsinn.“
Schon 35 Euro sind dabei für die Wohnungslosen viel Geld: „Das sind zehn Prozent ihres Monatseinkommens“, erklärt Pater Wolfgang Sieffert von der Altstadtarmenküche. Von den 100 Bedürftigen, die sich jeden Tag eine Mahlzeit bei der Armenküche abholen, haben die meisten - wie es im Sozialarbeiterjargon heißt - ihren Lebensmittelpunkt auf der Straße.

Teil des Stadt-Lebens
Und dort sollen sie auch ihren Lastern nachgehen dürfen, sind sich die meisten Teilnehmer einig: „Eine Großstadt muss das ertragen“, meint Ernst Heitmann, der oft per Fahrrad den Burgplatz überquert. So manche Glasscherbe hat ihm schon den Reifen aufgeschlitzt, „aber das ist Teil des städtischen Lebens“, nimmt es der 66-Jährige gelassen.
Dass vor allem Obdachlose für die Scherben verantwortlich seien, bezweifelt Pater Wolfgang Sieffert: „Natürlich benehmen sich auch Wohnungslose nicht immer richtig“, schränkt er ein, „aber wenn die Regeln generell verschärft werden, dann trifft es vor allem sie.“

 


 

 

2. Düsseldorfer Berbersymposium

fiftyfifty vom Juli 2008

„Der Burgplatz - ein Platz für Alle!“

Die einen dürfen draußen trinken, sich treffen und amüsieren. Die anderen bekommen ein Bußgeld, wenn sie das selbe tun. Die einen sind die Besucher der Altstadt-Gastronomie, die anderen sind obdachlos und alkoholkrank: Ungleiche und damit rechtswidrige Behandlung der Personen in der Altstadt - so lautete der Vorwurf, den die Veranstalter des zweiten Berber-Symposiums am 16. Mai auf dem Burgplatz erhoben, Altstadt-Armenküche, fitififty und Fachhochschule (FH) hatten wie berichtet zur Diskussion über das Thema Alkoholverbot eingeladen. Diskutiert wurde die Frage, ob öffentliche Plätze nur von zahlenden Konsumenten oder von allen benutzt werden dürfen. Anwesend waren Vertreter der anliegenden Geschäfte und Gaststätten, der Straßen-Sozialarbeit und von Parteien. Die Stadt Düsseldorf, Polizei und Ordnungsamt waren eingeladen, haben sich der Diskussion aber nicht gestellt. Letzten Endes herrschte bei allen Beteiligten große Einigkeit: Ob Wohnungsloser, Politikerin, Anwohner oder Altstadtwirt - ein Alkoholverbot erschien für niemanden sinnvoll, Dies hatten zuletzt die CDU-Fraktion und der Ordnungsdezernent gefordert; beide verweigerten interessanterweise die Teilnahme am Berbersymposium.

 


 

 

2. Düsseldorfer Berbersymposium

„Der Burgplatz - ein Platz für Alle!“

Seltene Einigkeit bestand heute beim 2. Düsseldorfer Berbersymposium
„Am Burgplatz muss Weltoffenheit demonstriert werden“ so das Fazit von Dirk Scharper, Vorsitzender der Altstadtgemeinschaft. Und es gibt keinen Mangel an Regelungen was die Düsseldorfer Altstadt betrifft; so die einhellige Meinung aller Teilnehmer und Teilnehmerinnen des Symposiums. Ob Wohnungsloser, Politikerin, Anwohner oder Altstadtwirt - ein Alkoholverbot erschien für niemanden sinnvoll. Dies hatten zuletzt die CDU-Fraktion und der Ordnungsdezernent gefordert; beide verweigerten interessanterweise die Teilnahme am Berbersymposium. Konsens bestand auch darüber, dass es an der längsten Theke der Welt nicht ohne Probleme gehen kann. Dies zu regeln und zu akzeptieren gehöre aber zum Leben in einer Großstadt. Das 2. Düsseldorfer Berbersymposium hat gezeigt, dass fast alle Akteure in der Altstadt am weiteren Miteinander und gemeinsamer Problemlösung ein großes Interesse haben. Von schnellen und halbgaren Lösungen wurde übereinstimmend abgeraten.

 

 

Bei Rückfragen stehen wir Ihnen gerne zur Verfügung:

Prof. Thomas Münch, Fachhochschule Düsseldorf, 0211 8114659/ 0179/4628736
Pater Wolfgang Sieffert OP, Altstadt-Armenküche, 0211 1363417
Holger Kirchhöfer, Altstadt-Armenküche, 0211 8549324/ 0163 2576235