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Presse: Mobilität für alle!

NRZ vom 22.04.2009

Mobilität für alle!

200 demonstrierten für die Einführung des Sozialtickets

Unter dem Motto „Gehst Du noch oder fährst Du schon? Mobilität für alle!“ haben gestern 200 Demonstranten vor dem Rathaus und dem Landtag die Einführung eines landesweiten Sozialtickets für den öffentlichen Nahverkehr gefordert. An den Kundgebungen beteiligten sich unter anderem Obdachlosen- sowie Hilfs- und Beratungseinrichtungen für sozial schwächer gestellte Bürger. Politische Unterstützung kam von den Grünen und den Linken. „Jeder hat das Recht, sich in seiner Stadt frei bewegen zu können, Freunde zu treffen, Veranstaltungen zu besuchen auch in anderen Stadtteilen“, begründete Holger Kirchhöfer vom Initiativkreis Armut in Düsseldorf die Aktionen.


RP vom 22.04.2009

Sozialticket „wäre menschlich“

  

  

VON GÖKCEN STENZEL

Mehrere hundert Demonstranten haben gestern vor dem Rathaus und anschließend vor dem Landtag ein Sozialticket für Bus und Bahn gefordert. „Es ist unvernünftig und inhuman, finanziell Schwache von Mobilität auszuschließen“, sagte Pater Wolfgang von der Armenküche: Der Stadtrat hatte mit CDU/FDP-Mehrheit die Einführung eines Sozialtickets abgelehnt.

Ticket soll 15 Euro kosten
Für ein solches Ticket sind SPD, Grüne, Linke, die katholische Kirche, die Diakonie und weitere Verbände. Es soll für Menschen mit wenig Einkommen 15 Euro monatlich kosten und in der Stadt gelten. Köln, Dortmund und andere Kommunen haben es bereits. „Wer Hartz-IV bekommt, kann sich ein normales Monatsticket nicht leisten“, so Hubert Ostendorf von fifty-fifty. „Menschen deswegen zu verhaften und abzustrafen, kostet mehr, als ihnen die legale Benutzung von Bus und Bahn zu ermöglichen.“ Das sieht auch Charlotte Vogt so. Ihre Rente reicht nicht, seit ihr Mann erwerbsunfhäig ist, ein Monatsticket ist ihr zu teuer.
„Ich bin auf Bus und Bahn angewiesen, habe kein Auto“, erzählt Vogt. „Ein Sozialticket wäre eine ungeheure Erleichterung.“ Deswegen hat sie gestern mitdemonstriert. Neben ihr: Thomas Boll. Er war heroinabhängig, ist jetzt im Methadon-Programm und muss täglich zum Arzt. Er zeigt sein Monatsticket: 41,70 Euro. „Das Geld muss ich anderswo sparen“, sagt Vogt.

Subvention für acht Millionen
Der Hartz-IV-Satz sieht 11,23 Euro für Fahrkarten monatlich vor. 50 000 Düsseldorfer hätten laut Sozialdezernent Burkhard Hintzsche Anspruch auf ein Sozialticket: So viele beziehen Hartz-IV oder Sozialgelder, können einen Düsselpass beantragen. Ihnen ein Sozialticket zu subventionieren, würde die Stadt jährlich acht Millionen Euro kosten. Zu viel für CDU und FDP: Es sei Sache des Bundes und nicht der Stadt, die Regelsätze anzuheben.

RP-Foto: Thomas Buskamp


  

  

WZ vom 22.04.2009

SOZIALTICKET Demo mit selbstgebauter Straßenbahn

Mit einer über 30 Meter langen selbstgebauten Straßenbahn protestierten gestern Mitglieder des Initiativkreises Armut in Düsseldorf vor dem Rathaus, unter anderem Dominikaner-Pater Wolfgang (vorne). Sie fordern ein Sozialticket für Arme. Im November 2008 hatte der Rat mit seiner CDU/FDP-Mehrheit die Einführung des Sozialtickets abgelehnt. Dortmund, Witten, Unna und Köln haben solche Tickets bereits eingeführt. Der Initiativkreis argumentiert, dass viele Arme auf verschiedene Hilfs- und Beratungseinrichtungen in der ganzen Stadt angewiesen sind, und viele sich auch das günstigste Ticket nicht leisten könnten.
Foto: Stefan Arend