Das Ausländeramt will der Düsseldorfer Abiturientin Semra ihre Eltern und Geschwister wegnehmen! Warum greift der Oberbürgermeister nicht ein?
Von TANIT KOCH Düsseldorf - Ihre schönen braunen Augen sind müde. Semra Idic (17) hat nicht mehr viel Kraft. Sie kämpft gegen einen übermächtigen Gegner - das Ausländeramt. Die Behörde will ihr die Familie wegnehmen: ABSCHIEBUNG!
Mutter Resmi (36), die Geschwister Merima (13), Vesna (11) und der kleine Edijan (6) sollen in einem Monat nach Serbien ausreisen. Genau wie Vater Vlasta (40) im vergangenen November.
Nur Semra als älteste Tochter soll in Deutschland bleiben. Allein. Wegen „vorbildlicher Integration".
Während sie ihr Abitur machen dürfte, muß die Familie ins Armen-Dorf Bu-janovac ziehen. 1873 Kilometer entfernt, ohne Arbeit, inmitten von Konflikten. In ein Haus, dessen Dach nur aus einer Plastikplane besteht. Semras Geschwister sprechen kein Wort Serbisch, dürften sich nicht zur Schule anmelden...
„Papa haben sie mir schon weggenommen -jetzt soll auch der Rest meiner Familie von mir getrennt werden", stammelt die Schülerin fassungslos. Gerade hat sie ihr Zeugnis bekommen. Notendurchschnitt 2,5.
„Ich verstehe nicht, wie man mir sagen kann: Du bist integriert, aber der Rest Deiner Familie nicht. Das stimmt einfach nicht!"
Stadtdechant Rolf Steinhäuser (53) ist auf ihrer Seite: „Das Ausländeramt behauptet, die Familie müsse zurück in die Heimat. Aber tatsächlich schickt man sie in die Fremde. Die Heimat der Idics ist Düsseldorf!"
Vor 17 Dahren, vor dem beginnenden Bürgerkrieg, war die Familie hierher geflüchtet. Semras Geschwister kamen alle hier zur Welt. Ihre Eltern, fleißige Leute, wollten nicht schwarz arbeiten: Der Vater übernahm einen Job bei einer Sicherheitsfirma, seine Frau als Zimmermädchen im Hotel. Sie hatten eine Wohnung, ein Auto, zahlten Steuern - ein Musterbeispiel für gelungene Integration!
Bis der Vater krank wurde, nicht mehr arbeiten konnte. Plötzlich wurde auch die Arbeitserlaubnis der Mutter nicht verlängert, die Familie kam ins Asylbewerberheim. Danach ins Kirchenasyl in St. Lambertus. Seit fünf Wochen im Franziskanerkloster.
Mitleid, Verständnis? „Die Rechtslage ist eindeutig. Die Familie bleibt ausreisepflichtig", sagt Kai Schumacher, Sprecher von OB Joachim Erwin (CDU).







